Frankfurt am Main, 07. Juni 1968 - Die Schießerei am Theaterplatz



Im München überfiel der niederländische Schwerverbrecher Antonius Johannes Terburg ein Pelzgeschäft. Als sich der Inhaber zur Wehr setzte, wurde er von Terburg eiskalt erschossen. Terburg war mit einer spanischen Pistole vom Typ Astra, Kal. 9 mm bewaffnet. Der Mord geschah am Pfingstsamstag, dem 01. Juni 1968.

Terburg war von jetzt an flüchtig aber seine Komplizen die bei vorangegangenen Raubzügen dabei waren stellten sich der Polizei und gaben Hinweise.

Terburg setzte sich nach Frankfurt ins Bahnhofsviertel ab und versteckte sich dort seit Donnerstag, dem 06. Juni 1968 im Hinterzimmer einer Bar. Die Polizei bekam einen Tipp aus dem Milieu. Zwei Zivilfahnder wollten Terburg daraufhin im damaligen Jim-Beam-Club festnehmen. Er erkannte in ihnen jedoch sofort Polizeibeamte und wollte das Feuer eröffnen, vergaß zum Glück für die Beamten jedoch, in der Aufregung seine Waffe zu entsichern.

Terburg setzte sich ab und die Beamten nahmen zu Fuß die Verfolgung des flüchtigen Verbrechers auf. Terburg verschanzte sich daraufhin in einem abbruchreifen Haus am Theaterplatz gegenüber dem Frankfurter Schauspielhaus. Es ist jetzt Freitag, der 07. Juni 1968, morgens 4.00 Uhr.



Das herbeigerufene Überfallkommando drang nun in den Hinterhof des Gebäudes ein und versuchte Terburg zur Aufgabe zu bewegen und ihn festzunehmen. Die Polizisten wurden jedoch sofort von Terburg unter Feuer genommen. Der Polizeihund des Überfallkommandos, Alf, soll die vernagelte Eingangstür des Objekts sichern, um Terburg an der Flucht zu hindern. Terburg gab auf Alf aus dem Fenster einen Schuß ab, der den Hund schwer verletzte. Vom Einsatzleiter bekam der Polizeihund später den Gnadenschuß. Als ehem. Hundeführer beim Wachschutz und überhaupt Hundefreund muß ich hierzu bemerken, daß der bestausgebildetste Polizei- oder Schutzhund gegen einen gut verschanzten Täter keine Chance hat. War es notwendig Alf vor den Lauf von Terburgs Astra laufen zu lassen?

Es kam nun zu einem insgesamt fünfstündigen Feuergefecht, bei dem nach Pressemeldungen die Polizei an die 1000 Schuß aus ihren Walter-PP-Pistolen und Beretta-MPŽs abfeuerte.  Nach Presseberichten schrie einer der Schaulustigen die sich dort massenweise angesammelt hatten nach "Jerry Cotton" um das Spektakel zu beenden. Es wurden jede Menge Tränengaswurfkörper in das Objekt geworfen. Auch versuchte man mit Hilfe der Feuerwehr die verschlagene Tür und ein Fenster mit einem starken Wasserstrahl zu öffnen. Kein Erfolg! Nun setzte die Polizei einen gepanzerten Sonderwagen der hessischen Bereitschaftspolizei vom Typ Mowag SWll ein, hinter dessen Deckung die Beamten, sich gegenseitig Feuerschutz gebend, vordrangen. Mit einer Axt wurde der Holzverschlag, sowie ein Fenster von den Beamten des Überfallkommandos eingeschlagen und es gelang den Polizisten einzudringen. In einem Wandschrank im Hausflur fand die Polizei dann den toten Terburg. Er hatte sich mit seiner letzten Kugel selbst gerichtet.



Normalerweise wäre dies heute ein klassischer Fall für ein Sondereinsatzkommando. Aber so etwas gab es damals noch nicht. 1968 randalierten die Urheber derjenigen, die einige Jahre später den Staat mit Mord und Terror überzogen und den Aufbau von polizeilichen Antiterror- u. Sondereinheiten, längst überfällig, endlich notwendig machten, noch auf der Straße.
Wenn man sich die zeitgenössischen Fotos der Geschehnisse am Theaterplatz anschaut, so sieht man die Polizeibeamten ohne ballistische Schutzwesten und nur mit ihren Walther-Pistolen u. veralteten Beretta-MPŽs ausgerüstet.



Das Abbruchhaus an dem sich dies abspielte steht heute schon lange nicht mehr. Am Anfang der 70er-Jahre wurde auf dem Grundstück das damalige BfG-Hochhaus erbaut, das heute Euro-Tower heißt.

Ein Frankfurter Bürger machte den Vorschlag, nach dem auf der Verbrecherjagd erschossenen Polizeihund "Alf" eine Straße zu benennen. Dies wurde jedoch leider von der zuständigen Stelle bei der Verwaltung der Stadt Frankfurt am Main abgelehnt.


 Der ehem. Schauplatz heute

 

Alle Fotos sind zur Originalgröße verlinkt!

 

Mit solch einem gepanzerten Sonderwagen vom Typ Mowag SWll (auf dem Foto ein Fahrzeug das vom BGS verwendet wurde) der hessischen BePo ging das Frankfurter Überfallkommando gegen den verschanzten Terburg unter Feuerschutz vor.
Die Panzerwagen der Schweizer Firma Mowag wurden in Lizenz von den deutschen Firmen Büssing und Henschel gebaut.
Der Turm des SWll konnte mit einem MG oder einer 20mm-Kanone bestückt werden. Er hatte einen Chrysler-V6-Motor, schaffte mit 5208 ccm, 161 PS.

 
 

Mit diesen Waffen waren die Beamten des Frankfurter Überfallkommandos damals ausgerüstet: Dienstpistole vom Typ Walther PP und der italienischen Beretta-Maschinenpistole vom Typ 38-49. In der Stahlnetz-Folge "Ein Toter zuviel" von 1968 sieht man auch in den Szenen bei der Festnahme des Gangsterbosses die mit der Beretta-MP ausgerüsteten Schupos und die Ausgabe dieser MP an ein Kommando der Kripo.

Quellennachweis: Frank B. Metzner/Joachim Friedrich "Polizei-Sonderheinheiten Europas",
Motorbuch-Verlag, 2002

Fotonachweis: Zeitungstitelblätter u. Fotos aus dem privaten Nachlaß des ehem. Überfallkommando-Führers in einer
Schauvitrine des Kriminalmuseums Frankfurt/Main im Polizeipräsidium Frankfurt/Main, www.kmffm.de

Die Aufnahme des gepanzerten Sonderwagens wurde mir mit freundlicher Genehmigung von: www.polizeiautos.de
zur Verfügung gestellt

Foto vom Eurotower: Arndt-Heinz Marx, 2008