Henning Franke schreibt:
Hallo Opi,
nach unserem netten Mail-Kontakt der letzten Tage hier noch ein - wirklich allerletzter - Hinweis
auf zwei Filme zur Abrundung der Inhalte-Rubrik. Beide wurden von der britischen Produktionsfirma
"Towers of London" für den deutschen Constantin-Filmverleih hergestellt, der
auch deutsche Darsteller durchsetzte, zum Teil aus der Rialto-Wallace-Serie. Beide Filme nennen
das Afrika-Buch "Sanders vom Strom" als Vorlage, übernehmen daraus aber nur
den Titelhelden, gespielt von Richard Todd.
"Todestrommeln am großen Fluss"ist chronologisch einzuordnen zwischen "Das indische Tuch" und "Zimmer
13". Sanders, Kommissar der britischen Kolonialpolizei, jagt Diamantenschmuggler, die
eine Dschungelklinik als Schaltzentrale missbrauchen. Bekannte Gesichter aus dem deutschen
Film sind Marianne Koch und Vivi Bach als Ärztinnen sowie die Wallace-Stars Walter Rilla
als hintergangener Klinikchef und Albert Lieven als Hauptschuldiger.
"Sanders und das Schiff des Todes"
ist einzuordnen zwischen "Das Verrätertor" und "Neues vom Hexer".
Sanders arbeitet nach der Entkolonialisierung als Versicherungsdetektiv und sucht ein mit Gold
beladenes Schiffswrack, das an der Skelettküste, nördlich von Swakopmund im heutigen
Namibia, gestrandet ist. Wallace-Star Heinz Drache spielt einen Kapitän mit zünftigem
Vollbart. Außerdem dabei: Dietmar Schönherr und wieder Marianne Koch, allerdings
in einer neuen Rolle als Draches Schwester.
Der Produzent Harry Alan Towers, Jahrgang 1920, drehte noch zahlreiche weitere Filme mit Wallace-Stars
und weiteren damaligen Lieblingen des deutschen Publikums für die Constantin. Dazu zählen
die Lex-Barker-Abenteuer "Die Verdammten der blauen Berge" mit Walter Rilla und Dietmar
Schönherr sowie "In Beirut sind die Nächte lang" mit Wolfgang Likschy und
Hans Clarin. Den Höhepunkt erreichte die Zusammenarbeit mit fünf Filmen, in denen
Christopher Lee als chinesischer Superschurke Dr. Fu Man Chu die Weltherrschaft erstrebt: "Ich,
Dr. Fu Man Chu" mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Walter Rilla und Peter Mosbacher,
"Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu" mit Heinz Drache, Harald Leipnitz und Marie
Versini, "Die Rache des Dr. Fu Man Chu" mit Wolfgang Kieling, Suzanne Roquette und
Horst Frank, "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" ohne Wallace-Stars, aber mit Götz
George, sowie "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" mit Günther Stoll. Ähnlich
gestrickt sind zwei Filme mit Bond-Girl Shirley Eaton als weiblichem Superschurken: "Sumuru,
die Tochter des Satans" mit George Nader und Klaus Kinski sowie "Die 7 Männer
der Sumuru" mit Walter Rilla.
In vielen dieser Filme ist die junge Wiener Schauspielerin Maria Rohm, Jahrgang 1943, zu sehen.
Towers heiratete sie später, und in neuen Filmen zeichnet sie als Coproduzentin. Denn,
fast unglaublich: Auch in diesem Jahrtausend gibt es noch Towers-Filme, immer noch gern mit
deutschen Co-Stars, so etwa in "Sumuru - Planet der Frauen" mit Alexandra Kamp und
"Quatermain - Der Schatz der Könige" mit Anja Kling.
So, das war's aber wirklich.
Herzliche Grüße
Henning Franke
Hallo Opi,
unter "Andere Epigonen":
Neben Pater Brown wurde ein weiterer klassischer Detektiv aufgeboten, um Edgar Wallace Konkurrenz
zu machen: in der Artur-Brauner-Produktion "Sherlock Holmes und das Halsband des Todes".
Die Handlung wurde vom Zeitalter der Pferdekutschen in die Ära der frühen Automobile
verlegt - so kam man Wallace schon näher.
Das Thema: Professor Moriarty, ein Erzhalunke in der Maske des angesehenen Biedermanns, will
sich in den Besitz eines wertvollen archäologischen Fundstücks bringen, des Hasbands
der Kleopatra. Diese Handlung hat Drehbuchautor Curt Siodmak frei erfunden, aber der Mittelteil
des Films, in dem ein abtrünniger Komplize des Professors seinen eigenen Tod vortäuscht,
folgt genau dem Sherlock-Holmes-Roman "Das Tal der Furcht" von Sir Arthur Conan Doyle.
Als Regisseur wurde Terence Fisher engagiert, der für die britische Produktionsfirma Hammer
die berühmten Dracula- und Frankenstein-Filme drehte. Seinen Hauptdarsteller brachte er
gleich mit: Christopher Lee, der auch bereits Wallace-Erfahrung hatte. Für die Maske des
Sherlock Holmes musste Lee seine Nase verlängern lassen.
Weitere Akteure, die auch bei Wallace aktiv wurden, sind Hans Söhnker als Moriarty, Hans
Nielsen als Polizeiinspektor und Wolfgang Lukschy als abtrünniger Komplize im Mittelteil.
Selbst ein Kleindarsteller ist in Wallace-Filmen wiederzuerkennen: Bruno W. Pantel, der im
Holmes-Film als Auktionator auftritt, spielte einen Polizeisergeant in "Zimmer 13"
und einen Busschaffner in "Der Mönch mit der Peitsche".
Gleich am Anfang des Films kommt mit dem Berliner Westhafen auch ein Wallace-Drehort ins Bild.
Herzliche Grüße
Henning Franke
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Hallo Opi,
Es hat etwas länger gedauert aber hier meine erste ausführliche Mail
zu einem Vergleich zwischen Romanen von Bryan Edgar Wallace und ihren Verfilmungen.
Erstes Thema: Der Roman "Der Tod packt seinen Koffer" und der Film "Das
Geheimnis der schwarzen Koffer".
Obwohl der Roman als Vorlage des Films genannt wird, haben beide praktisch nichts miteinander
zu tun. Der Roman ist ein Spionagekrimi um den Agenten Bill Tern und seinen Chef Joe
Rank. Die Handlung: Ein Pilot des Secret
Service stiehlt "in der ostdeutschen Zone" einen russischen Koffer mit radioaktivem
Bombenmaterial. Kurz vor der Landung wird er per Funk an ein anderes Ziel bei Helmstedt
gelotst. Dort erwartet ihn, getarnt als Geheimdienstkollege, der Oberschurke. Der erschießt
den Piloten und bringt den Koffer an sich. Damit erpresst er die britische Regierung:
Er verlangt
fünf Millionen Pfund in Diamanten. Der Tausch des Bombenkoffers gegen den Diamantenkoffer
soll auf dem Gelände einer Landwirtschaftsausstellung stattfinden. Dort tauchen
jedoch 40 Männer mit gleich aussehenden Koffern auf. Die Beobachter des Geheimdiensts
verlieren die Übersicht, und der Schurke hat beides: Bombe und Diamanten. Da der
Bombenkoffer auf Gegenstände in seiner Umgebung radioaktiv abstrahlt, wird Agent
Tern mit einem Geigerzähler ausgerüstet. Der schlägt ausgerechnet beim
Feuerzeug von Terns Verlobter Susan an. Er verheimlicht das und gefährdet damit
die Fahndung.
Dabei will Susan gerade mit ihm Schluss machen: Der Bruder eines Nebenbuhlers
kein anderer als der Oberschurke hat ihn als Doppelagenten verleumdet. Tern tröstet
sich mit einer anderen Frau sie erweist sich jedoch als Sowjetagentin, die den
Bombenkoffer zurückholen soll. Am Schluss entlarvt Tern den Täter, nimmt
ihm den Koffer ab und bekommt Susan zurück
sie übernimmt es, ihre Rivalin zu fesseln.Die einzige Ähnlichkeit mit dem
Film: Auch hier hat die weibliche Hauptfigur
(gespielt von Senta Berger) den Vornamen Susan. Auch hier verdächtigt sie der
Held ein Scotland-Yard-Inspektor und bezieht sie dennoch nicht entschlossen
in die Ermittlungen ein. Bryan Edgar Wallace ließ Tern und Rank auch gleich in
seinem nächsten Roman "Die Welt steht auf dem Spiel" auftreten. In dessen
Verfilmung "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" treten sie tatsächlich auf.
Der hagere, eiskalte Rank ist mit Klaus Kinski sogar treffend besetzt. Dagegen hat
der Tern des Romans keine Ähnlichkeit mit seinem Darsteller Peter van Eyck: Wallace
beschreibt Tern als unter 30, groß, schwarzhaarig und gelockt also eher
wie den
jungen Jean-Paul Belmondo als wie den grauhaarigen Gentleman van Eyck. Soviel fürs
erste gleich folgt noch eine Mail zu "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse".
Schöne Grüße
Henning Franke
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Hallo Opi,
Hier gleich meine zweite Mail über Romane von Bryan Edgar Wallace und ihre Verfilmungen.
Diesmal: Der Roman "Die Welt steht auf dem Spiel" und der Film "Scotland
Yard jagt Dr. Mabuse" passt am besten in die Mabuse-Rubrik.
Der Roman hat die gleichen Hauptfiguren wie sein Vorgänger "Der Tod packt
seinen Koffer": den Geheimagenten Bill Tern und seinen Chef Joe Rank. Erstmals
tauchen beide auch in der Verfilmung auf. Bill Tern, im Roman jung,
groß und schwarzgelockt wie der junge Jean-Paul Belmondo und immer auf der Jagd
nach Frauen, hat allerdings kaum Ähnlichkeit mit dem grauhaarigen Schauspieler
Peter van Eyck, der als Film-Tern noch bei seiner greisen
Mutter (Agnes Windeck) lebt. Dagegen entspricht Klaus Kinski als Rank der eiskalten,
hageren Romanfigur.
Auch die Handlung von Film und Roman ist diesmal sehr ähnlich. Der Hauptunterschied:
Der Filmschurke ist jener Dr. Pohland (Walter Rilla), in dessen Klinik Dr. Mabuse (Wolfgang
Preiss) starb und der nun die
verbrecherischen Ideen seines Patienten in die Tat umsetzt. So lässt er seinen
Komplizen Hilyard (Wolfgang Lukschy) den inhaftierten Gauner Cockstone (Dieter Borsche)
befreien. Im Roman taucht Mabuse nicht auf;
Cockstone ist der Oberschurke. Im Roman wie im Film täuscht Cockstone seinen Tod
vor, schleicht sich als
Assistent bei einem Professor ein, der mittels einer Erfindung seine Willenskraft auf
andere Personen überträgt, tötet den Wissenschaftler und bringt die
Erfindung an sich. Im Film sieht diese Erfindung aus wie ein Fotoapparat und wird auf
Einzelpersonen gerichtet, um sie Verbrechen begehen zu lassen. Im Roman ist es eine
gigantische Apparatur, die zur Massenhypnose eingesetzt wird als Machtdemonstration
lässt Cockstone die Wachgarde der
Queen am Buckingham Palace auf die Zuschauermenge bei der Wachablösung feuern.
Cockstones Ziel im Roman ist es, die Erfindung an die Kommunstische Partei Englands
zu verkaufen; sein Verbindungsmann zu den Funktionären ist
Hilyard, der also eine andere Funktion hat als im Film. Und während auf der Leinwand
simple Hörgeräte gegen die Macht der Apparatur immun machen, müssen
die Romanfiguren Gummischuhe tragen und sich eine Kopfbedeckung aus
elektrischen Spulen aufstülpen, um gefeit zu sein.Der Film übernimmt noch
eine weitere Romanfigur unter gleichem Namen: die
von Sabine Bethmann gespielte Tochter eines Hypnoseapparat-Opfers. Während sie
jedoch im Film auf der Seite der Guten steht, ist sie im Roman eine Freundin Cockstones
und wandelt sich erst am Schluss. Terns Sympathie
gewinnt sie jedoch nicht mehr: Er hat sich in eine Kunstjournalistin verliebt, die
er wegen ihrer linken Sympathien zunächst verdächtigt hatte.Diese Liebesgeschichte
verwundert zunächst auch, weil Tern am Schluss des Vorgänger-Romans so gut
wie verheiratet schien. Er erklärt seine neue Freiheit jedoch kurz und schmerzlos:
"Sie wollte, dass ich meinen Beruf
aufgebe." Und während schließlich Tern im Film von vorn bis hinten
makellos wird, ist er im Roman wegen seines Verhaltens im Vorgänger "Der
Tod packt seinen Koffer" in Ungnade gefallen und muss sich erst mühsam rehabilitieren.
Soviel für heute. In ein, zwei Wochen kommt etwas zum Film "Der Henker von
London" und seiner angeblichen Vorlage
"George und Jojo".
Schöne Grüße
Henning Franke
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Hallo Opi,
Es hat mal wieder länger gedauert, aber hier nun meine neue Mail über Romane
von Bryan Edgar Wallace und ihre Verfilmungen:
Als Vorlage des Films Der Henker von London wird Bryan Edgar Wallaces The
White Carpet angegeben, wörtlich übersetzt Der weiße Teppich.
Interessanterweise gab es auch ein nicht realisiertes Filmprojekt Der weiße
Teppich; laut Joachim Kramp sollte es um einen gestohlenen Gebetsteppich aus
Tibet und eine Mordserie in London gehen. Das hätte auch nicht viel mit der Vorlage
zu tun gehabt, aber wohl etwas mehr als Der Henker von London.
Hier gibt es nur eine einzige Übereinstimmung: den Namen der Hauptfigur (und selbst
da weicht noch ein Buchstabe ab). Im Film ist John Hillier (Hansjörg Felmy) ein
Scotland-Yard-Inspektor mit einem düsteren Geheimnis. Im Roman, der in Deutschland
unter dem Titel George und Jojo erschien, ist John Hellier, der das Geschehen
in Ich-Form erzählt, nach eigenen Worten ein Gentleman-Farmer, also
ein Gutsbesitzer in der englischen Provinz.
Die Romanhandlung: Hellier bekommt neue Nachbarn Jock MacDonald, einen früheren
Handelsunternehmer in den afrikanischen Kolonien, samt seiner jungen zweiten Frau,
seiner erwachsenen Tochter, in die Hellier sich prompt verliebt, und dem schwarzen
Diener Jojo. MacDonald, der in Afrika Schwarze und Weiße geprellt hat, fühlt
sich von einem schwarzen Medizinmann bedroht, der ihn verfolgt und in magischen Ritualen
die Götter um MacDonalds Tod bittet. Der Begleiter des Medizinmanns, Jojos Freund
George, lässt jedoch keinen Zweifel: Wenn die Götter versagen, wird er eigenhändig
nachhelfen. MacDonald hat aber noch weitere Feinde: einen hintergangenen früheren
Geschäftspartner und einen Belgier, mit dem seine Frau ihn betrügt.
Dann liegt MacDonald tot auf dem weißen Teppich in seinem Wohnzimmer. Blutspuren
sind nicht zu sehen, sodass der Ortspolizist den Tatort anderswo vermutet. Dafür
trägt der Teppich die Spuren der Schuhsohlen, die dem Ex-Geschäftspartner
gehören. Hellier und der Polizist finden die Schuhe allerdings bei George wieder.
Am Schluss enttarnen sie aber die Ehefrau und den belgischen Nebenbuhler als Täter.
Und der Tatort war doch das Wohnzimmer: Man braucht den Teppich nur hochzuheben, um
darunter das Blut zu entdecken.
Bryan Edgar Wallace ließ John Hellier im nächsten Roman Mit Mord begann
es gleich ein weiteres Abenteuer bestehen. Dieser Roman wurde verfilmt unter
dem Titel Das 7. Opfer. John Hellier kam im Film aber nicht vor. Mehr über
Mit Mord begann es und Das 7. Opfer beim nächsten Mal.
Herzliche Grüße
Henning Franke
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Hallo Opi,
Hier:
Der Vergleich zwischen dem Bryan-Edgar-Wallace-Roman "Mit Mord begann es"
und dem Film "Das 7. Opfer":
"Das 7. Opfer" war 1964 der letzte rein deutsche und schwarzweiße
Bryan-Edgar-Wallace-Krimi. Er entstand frei nach dem Roman "Mit Mord begann
es". Während es im Film um ein manipuliertes Reitturnier und einen
geheimnisvollen Rächer geht, ist die Romanhandlung schlichter. Held und
Ich-erzähler ist der Großgrundbesitzer John Hellier. Treue Leser kennen
ihn
und einige Randfiguren aus dem Roman "George und Jojo", aber alle Figuren
scheinen ihre früheren Erlebnisse komplett vergessen zu haben jemand
behauptet sogar, in der kleinen Landgemeinde habe es seit Jahrzehnten keinen
Mord gegeben.
Jetzt streitet Hellier mit seinem neuen Nachbarn Sir Gerald Mant um
Wasserrrechte und wird von seinem Gegner systematisch verleumdet. Ein
Kneipengespräch gibt ihm den Ansatz zur Gegenwehr: Mant soll seinen Besitz
geerbt haben, weil er seinen Vater durch einen vorgetäuschten Reitunfall
ermordet und seine Tante die Treppe hinuntergestürzt hat. Hellier
recherchiert mit Hilfe von Mants Cousine, der Malerin Averil Bosse. Bald hat
er jedoch neue Probleme: Der Italiener Giuseppe Ranova sucht den Schuldigen
am Tod seiner Schwester. Sie hat sich das Leben genommen, nachdem sie von
einem Engländer geschwängert und sitzengelassen wurde. Mant der Schuldige
lenkt den Verdacht auf Hellier. Als Ranova tot in dessen Haus gefunden
wird, steht der Held auch unter Mordverdacht.
Überraschend unlogisch schiebt Wallace jetzt einen vom Erzähler Hellier
nicht mitgehörten(!) Dialog zwischen Mant und seinem Butler ein: Er
enthüllt, dass der Diener im Auftrag seines Herrn gemordet hat. Zum Schluss
stellen Hellier und Averil ein Tonband sicher, das diese Tatsache beweist.
Für den Film entwickelte Autor und Regisseur F.J. Gottlieb aus dem
angeblichen Reitunfall eine völlig neue Handlung. Nur wenige Details - wie
Tantchens Teppensturz - zeigte er originalgetreu. Wenn er sonst Personen und
Motive verwendete, verfuhr er nach der Devise "Aus eins mach zwei": Aus dem
Reitunfall-Opfer Mant Senior werden ein Jockey als Reitunfall-Opfer und der
mit einer Heugabel gemeuchelte alte Mant (Walter Rilla). Aus der Malerin
Averil werden die Reiterin Avril (Ann Smyrner) und der Tiermaler Brooks
(Hansjörg Felmy, in Wirklichkeit ein getarnter Versicherungsdetektiv, der
sich gegen Ende mit dem Inspektor Heinz Engelmann verbündet). Aus Giuseppe
Ranova werden der Jockey Giuseppe Ranova (Edgar Wenzel) und sein Bruder
Eduardo (Wolfgang Lukschy), ein zwielichtiger Barbesitzer.
Besonders verfremdet werden drei Figuren: Der junge Mant (Helmut Lohner)
wird vom Täter zum Opfer. Der Butler wird vom Mörder zum Komiker (Peter
Vogel spielt in Eddi-Arent-Manier). Und der Pfarrer (Hans Nielsen) wird als
geheimnisvoller Rächer enttarnt im Roman ist er eine dauernd
alkoholisierte, lächerliche Randfigur.
Auf "Das 7. Opfer" folgten nur noch vier angebliche
Bryan-Edgar-Wallace-Filme unter italienischer Federführung. "Der Todesrächer
von Soho" war ein Remake von "Das Geheimnis der schwarzen Koffer". Die
drei
anderen "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Die neunschwänzige
Katze" und "Das Geheimnis des gelben Grabes" nennen den nur hier
zu Lande
zugkräftigen Namen Wallace lediglich im deutschen, nicht aber im
italienischen Vorspann. Und das mit Recht: Die in und um Rom spielenden
Filme haben mit Wallace rein gar nichts zu tun.
Viele Grüße
Henning Franke
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Hallo Opi,
hier die angekündigten Mabuse-Zweifelsfälle:
Die Neuausgabe des Romans "Das Testament des Dr. Mabuse" von Norbert Jacques
enthält im Anhang eine Filmografie. Sie nennt auch den Film "Dr. M schlägt zu"
von 1970 (laut Filmvorspann erst 1972), eine Coproduktion von Artur Brauner mit
der spanischen Filmgesellschaft Copercines. Brauner schrieb unter dem Pseudonym
Art Bernd am Drehbuch mit. Regie führte Jess Franco, die Hauptrolle spielte Fred
Williams. Zum Ensemble gehörten die Wallace-Akteure Siegfried Lowitz, Friedrich
Joloff und Ewa Stroemberg. Die Handlung hat aber weniger mit Mabuse als mit
Frankenstein zu tun: Der wahnsinnige Wissenschaftler züchtet auf einer Insel ein
Monster. Brauner muss trotz seines persönlichen Engagements vom Endergebnis so
entsetzt gewesen sein, dass er es möglichst weit von seiner echten Mabuse-Serie
trennen wollte. So heißt Dr. M auch in der deutschen Fassung mit vollem Namen
nicht Mabuse, sondern er trägt einen spanischen Namen, den man sich unmöglich
merken kann.
Weiter enthält die Filmografie den Film "Dr. M", den der französische Regisseur
Claude Chabrol 1989 in Berlin drehte. Obwohl Dr. M hier von vornherein mit
vollem Namen Marsfeldt heißt, ist die Figur dem hypnotischen Vorbild
nachempfunden: Medienmogul Marsfeldt (Alan Bates) versendet über seine
TV-Stationen Hypnose-Botschaften und löst damit eine Selbstmordwelle aus.
Chabrol konzipierte den Film als Hommage an den ersten Mabuse-Regisseur Fritz
Lang, und vorsichtshalber holte Produzent Francois Duplat seinen Kollegen Artur
Brauner als Besitzer der Filmrechte an der Mabuse-Figur mit einem
Minderheitsanteil als Coproduzent an Bord. Bewusst engagierte Chabrol auch den
alten Mabuse-Darsteller Wolfgang Preiss für die Rolle des Polizeichefs.
Herzliche Grüße
Henning Franke


