Privatdetektivin Honey West

 

 

Das Autorenpaar Gloria und Forest Fickling, schrieb unter dem Pseudonym

G.G. Fickling, zwischen 1957 und 1971 insgesamt 11 Kriminalromane, in denen

die Privatdetektivin Honey West aus Los Angeles die Hauptperson war.

In den Romanen war sie ein weiblicher Mike Hammer mit dem Aussehen von Marilyn Monroe.

 

Erster Honey West-Roman, US-Ausgabe

 

In den sechziger Jahren brach im TV nach den Leinwanderfolgen von James Bond, eine Welle von Agentenserien los. Eine dieser Serien war die in Großbritannien erfolgreiche Serie

„The Avengers“, bei uns als „Mit Schirm, Charme und Melone“ bekannt. Die erste Partnerin von John Steed war darin Honor Blackman alias Cathy Gale. Die Staffeln mit Honor Blackman liefen nie im deutschen TV.

Aber in den USA wollte man ebenfalls eine Bildschirm-Heldin auf die Beine stellen und man nahm dazu die Pulp-Heldin Honey West. Als Honey West wollte man zuerst Honor Blackman einkaufen, aber die hatte bereits einen Vertrag für den Bond-Film „Goldfinger“. So nahm man für die Rolle die amerikanische Schauspielerin Anne Francis, die typmäßig Honor Blackman ähnlich war.

 

Es wurde eine Serie von 30 Folgen produziert, von denen in Deutschland im Jahre 1967 gerade wieder einmal die obligatorischen 13 Folgen in den Regionalprogrammen der ARD liefen. In den USA lief die Serie zwischen 1965 und 1966.

Ihren Erst- bzw. Gastauftritt hatte Honey West in einer Folge der US-Krimiserie „Burkes Law“, die ebenfalls nie in Deutschland lief.

Hier kann man wieder einmal sagen, die Verfilmung ist besser als die Bücher, von denen in Deutschland auch einige mit dem Markenzeichen „Erotic-Thriller“ auf den Markt kamen.

 

Deutsche Ausgaben der Honey West-Romane

 

Die Honey West der Romane hatte mit der TV-Honey West wirklich nichts mehr gemein.

Sie erbte von ihrem verstorbenen Vater, einem ehemaligen Polizeibeamten, dessen Detektei, samt dem Angestellten Sam. Dieser ist ein Elektronik-Freak und besitzt einen Kleintransporter mit der Tarnaufschrift „H.W.Bolt & Co., TV Service“ an der Seite. Das Fahrzeug war mit Tonbändern, Abhöreinrichtungen, Funkanlagen und einem Periskop ausgestattet.

 

 

Überhaupt wäre James Bond´s Ausrüster „Q“ zur damaligen Goldfinger-Zeit vor Neid erblasst, wenn er gesehen hätte, welche technischen Spielereien Honey & Sam so bei ihren Fällen einsetzten. Das waren z. B. in Brillen, Sonnenbrillen und Lippenstiften versteckte Mikrofone mit denen Sam und Honey kommunizierten, Hüftgürtel die als Gasmasken benutzt werden konnten, sowie Tränengasbomben die als Ohrringe getarnt waren usw.

Honey trug gerne Bekleidung im Raubtier-Look und war eine sehr gute Judo- und Karatekämpferin. Die Kampfszenen wirkten echter, als die ihrer späteren britischen Konkurrentin Emma Peel.

Für Raubkatzen hatte Honey West sowieso eine Vorliebe, hielt sie sich doch als Haustier einen Ozelot namens Bruce.

 

 Honeys Haustier Bruce

 

Auffallend bei einigen Episoden ist auch, dass sich oftmals Honeys Klienten am Ende als die eigentlichen Drahtzieher der Verbrechen entpuppten.

Die Serie kam in den USA gut an und bald gab es auch die ersten Merchandising-Artikel wie z. B. Honey West-Puppen, Brettspiele und ein Comic.

 

Doch bald machte weltweit eine neue britische Heldin von sich reden – Emma Peel! In den USA beschloß man nun die „Avengers“ mit Emma Peel einzukaufen. Zwei TV-Heldinnen auf dem Bildschirm war den amerikanischen TV-Gewaltigen zuviel, also musste zugunsten ihrer britischen Kollegin Honey West  weichen, die Serie wurde eingestellt.

Nun kam die Gesamtserie, leider nur im amerikanischen Original, endlich auf DVD heraus.

Ich habe beim Anschauen die Serie genauso genossen, wie als kleiner Junge, sie hat nichts von ihrer Spannung und ihrem Charme eingebüßt. Besonders interessant natürlich auch endlich einmal all die Folgen zu sehen, die man uns damals vorenthalten hat.

 

 

Es ist noch zu erwähnen, dass  zu derselben Zeit, 1964/65, wie in Großbritannien und in den USA auch auf den westdeutschen Bildschirmen zum erstenmal zwei Ermittlerinnen aufgetreten sind. Hier fand eine regelrechte Parallelentwicklung statt. Im ARD-Vorabendprogramm ging in der Serie „Gewagtes Spiel“, Maria Sebaldt als Sekretärin eines Versicherungsdetektivs, dargestellt von Alexander Kerst mit auf Verbrecherjagd und im ZDF sah man als Privatdetektivin Kai Fischer in der Serie „Die Karte mit dem Luchskopf“.

 

Maria Sebaldt und Kai Fischer waren somit die ersten Ermittlerinnen im deutschen Fernsehen, lange vor den ersten Tatort-Kommissarinnen. Dies ist eine Tatsache, die bis jetzt TV-historisch noch nicht gewürdigt wurde.

Außerdem wird es auch höchste Zeit, die beiden Serien „Gewagtes Spiel“ und „Die Karte mit dem Luchskopf“ endlich aus den Archiven zu holen und sie als DVD-Edition wieder zugänglich zu machen.